Stadtentwicklung PolisVision

Topthema Wärmeplanung

Kommunale Wärmeplanung (KWP) ist nach wie vor ein Topthema für viele Städte und Gemeinden in Deutschland. Die ProjektStadt | Integrierte Stadtentwicklung unterstützt dabei als Gesamtprojektsteuerer.

So auch in Kelsterbach, das unter Hessens Kommunen eine Vorreiterrolle einnimmt. Dieses Engagement hat der hessische Wirtschafts- und Energieminister Kaweh Mansoori Ende April mit einem Besuch gewürdigt.

„Die Kommunale Wärmeplanung schafft für Bürger, Wirtschaft und Handel sowie städtische Versorger Planungssicherheit für die nächsten Jahrzehnte“, so Kaweh Mansoori. Als strategische Planung liegt die KWP für Kelsterbach bereits vor. Hierfür wurde – zentral koordiniert von der ProjektStadt I Integrierte Stadtentwicklung – die Kommune im Vorfeld detailliert analysiert und klassifiziert, dabei Wärmeversorgungsgebiete für Fernwärme, neue Wärmenetze oder dezentrale Lösungen definiert. Ein umfassendes Konzept mit Zeitplan und Akteuren skizziert nun Kelsterbachs Weg für einen geordneten Übergang zur klimaneutralen Wärmeversorgung. Sie zeigt unter anderem dezidiert auf, wie die Stadt ihre Wärmeversorgung bis 2045 schrittweise auf erneuerbare Energien umstellen will. Öffentliche Liegenschaften / Öffentliche Bauten können dabei als Pilotprojekte für Skaleneffekte dienen und zugleich eine Signalwirkung entfalten. In dichten, urbanen Bereichen ist der Aus- und Aufbau von Wärmenetzen/Fernwärme mit Fokus auf den Anschluss von Mehrfamilienhäusern, Nichtwohngebäuden und größeren Liegenschaften vorgesehen. Als Wärmequelle für die Netze soll unter anderem die Abwärme aus den Rechenzentren genutzt werden, dies sorgt für eine regionale Wertschöpfungskette. In Randlagen haben dezentrale Ansätze wie Wärmepumpen, Hybridlösungen und Solarthermie Priorität.

Förderkulisse rechtzeitig genutzt

Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung betont „die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den städtischen Verantwortlichen und dem Projektpartner BCC-ENERGIE im Rahmen eines integrierten Ansatzes”. Durch früh eingereichte Anträge kann Kelsterbach die bestehende Förderkulisse umfassend nutzen. Bürgerinnnen und Bürger wurden auf der Basis einer eigens erarbeiteten Kommunikationsstrategie kontinuierlich durch Informationsveranstaltungen, Videos auf Social-Media-Kanälen sowie die digitale Beteiligungsplattform KelsterVoice (www.kelstervoice.yourvoice-projektstadt.de) eingebunden. Interessierten bietet die Plattform eine barrierearme Möglichkeit, geplante Wärmemaßnahmen in einem 3D-Modell zu kommentieren. Schmitz-Stadtfeld: „So wird Transparenz erzielt und integrierte Entwicklungsprozesse nachhaltig gestärkt.“ Durch einen Workshop für Akteure und bilaterale Gespräche wurden große Energieverbraucher und Vertreter der lokalen Industriebetriebe einbezogen. „Kelsterbach zeigt, was möglich ist, wenn Kommune, Projektpartner und Land an einem Strang ziehen. Wir freuen uns sehr, diesen Transformationsprozess aktiv mitgestalten zu können“, erklärt ProjektStadt-Projektleiterin Malaika Rahm.

Breit aufgestelltes KWP-Maßnahmenpaket

Die Kelsterbacher KWP setzt auf ein breit aufgestelltes Maßnahmenpaket zum schrittweisen Umstellen auf erneuerbare Energien bis 2045. Erste Projekte sind bereits sichtbar: So werden im Zuge der Erstellung einer Machbarkeitsstudie am Sportpark Probe-Bohrungen für eine oberflächennahe Geothermie-Versorgung durchgeführt. Das Einbinden und Nutzen der Abwärme des örtlichen Rechenzentrums in die künftige Wärmeversorgung wird derzeit ebenfalls vorbereitet. Für Minister Mansoori ist die KWP „eine konkrete, zukunftsorientierte Gemeinschaftsaufgabe mit höchster Priorität“. Und Bürgermeister Manfred Ockel möchte die Wärmeversorgung seiner Stadt „klimaneutral, versorgungssicher und kostenbewusst neu aufstellen“.

Regenerative Versorgung auf den Weg gebracht

Auch in Heusenstamm im Landkreis Offenbach steuert die ProjektStadt die Kommunale Wärmeplanung (KWP). Für fünf Fokusgebiete wurden Bestandsdaten und Bedarfe der Endverbraucher detailliert analysiert. Auf dieser Basis entstehen regenerative Versorgungsstrategien mit wirtschaftlich sinnvoll kombinierbaren Energiequellen.

Für die zukünftige Wärmeversorgung haben sich nach der Bestands- und Potentialanalyse vor allem die Abwärme aus Rechenzentren, Industrie sowie der Kläranlage als geeignete Wärmequellen herausgestellt. Für das dezentrale Fokusgebiet Rembrücken werden vorrangig dezentrale Versorgungslösungen vorgeschlagen. Der nun fertigstellte Wärmeplan für die KWP der Schlossstadt ist ein bedeutender Orientierungsrahmen für die nächsten Jahre. Vorgeschaltet war ein umfangreicher Beteiligungsprozess mit wichtigen Akteuren wie Vertretern der Rechenzentren, der BMI Group sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Zu den Fokusgebieten wurde ein Stakeholder-Workshop veranstaltet, ebenso bilaterale Gespräche geführt. Wie auch in Kelsterbach wurden die Bürger analog im Rahmen einer Infoveranstaltung und online mit Hilfe eines 3D-Modells über „YourVoice“ beteiligt. Dort konnten sie die Pläne einsehen und einen Fragebogen zum Sanierungsstand und Verbräuchen ihrer Immobilie beantworten. Die Kernaussagen der Veranstaltung wurden mittels Graphic Recording visuell festgehalten.

„Die digitale Beteiligungsplattform stellt eine wertvolle Schnittstelle zwischen Planung, Politik und Bevölkerung dar“, lobt Heusenstamms Klimamanager Lukas Welge. Sie ermögliche es der Stadt, „die Bedürfnisse und Meinungen der Bürger frühzeitig in die Planung einzubeziehen.“ Greifbar und zugänglich mache das 3D-Modell die Kommunale Wärmeplanung aus Sicht von Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung: „Es verleiht komplexen Daten räumliche Tiefe – Bürger:innen können sich viel besser vorstellen, wo ihre Stadt steht und welche Maßnahmen sinnvoll sind.“ Projektleiterin Malaika Rahm erläutert weitere Schritte: „Mit dem Fortschreiten unserer Arbeit werden im Modell die Informationen kontinuierlich erweitert und die Planung schrittweise visualisiert.“

Vor der Ausführungsplanung und dem Umsetzen einzelner Maßnahmen folgen zunächst Machbarkeitsstudien, und Transformationspläne. Ziel ist das Umstellen der Heusenstammer Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien – mit regionaler Wertschöpfung und Planungssicherheit für alle Beteiligten. 

Dafür wurden langfristige Verträge mit den auf dem Campus Heusenstamm entstehenden Rechenzentren geschlossen. Rein theoretisch bieten sie hinreichend Energie, um das gesamte Stadtgebiet mit Fernwärme zu versorgen. Leider liegen allerdings noch nicht überall Fernwärmerohre und der Ausbau ist teuer. Bürgermeister Steffen Ball macht aus dem enormen Sanierungsbedarf der Infrastruktur kein Geheimnis: „Die nächsten Jahre werden wir intensive Bauarbeiten in der Stadt haben – nicht nur für die Wärmeversorgung, sondern auch für Stromnetze, Glasfaser und Wasserleitungen.“ Das sei eine nicht aufschiebbare Herausforderung, um zukunftsfähig zu bleiben.