Stadtentwicklung

Lebenswerte Städte gestalten: 35 Jahre ProjektStadt in Thüringen

(v. li.) Dr. Tobias J. Knoblich, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, Anja Maruschky, Referatsleiterin für Städtebauförderung, Quartiersentwicklung und Schulbauförderung im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft sowie von der NHW Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer, Markus Eichberger, Leiter Unternehmensbereich Stadtentwicklung, und Martin Günther, Leiter Fachbereich Stadtentwicklung Thüringen.
Tauschten sich intensiv aus: (v. li.) Dr. Tobias J. Knoblich, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, Anja Maruschky, Referatsleiterin für Städtebauförderung, Quartiersentwicklung und Schulbauförderung im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft sowie von der NHW Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer, Markus Eichberger, Leiter Unternehmensbereich Stadtentwicklung, und Martin Günther, Leiter Fachbereich Stadtentwicklung Thüringen. Foto: NHW / Henry Sowinski

Mit einem Netzwerktreffen und der Einweihung der neuen Büroräume feiert die Stadtentwicklungssparte der NHW gemeinsam mit Kommunen, Politik und Fachwelt die Partnerschaft mit über 50 Städten und Gemeinden und blickt auf die Herausforderungen der Zukunft

Weimar – Doppelten Grund zum Feiern hatte die ProjektStadt in Thüringen. Zum 35. Geburtstag der Stadtentwicklungssparte der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) mit Sitz in Weimar blickten Martin Günther und sein Team sowie zahlreiche Gäste aus Kommunen, Politik, Verbänden und Stadtentwicklung bei einem Netzwerktreffen auf dreieinhalb Jahrzehnte erfolgreicher Zusammenarbeit mit über 50 Kommunen zurück – und diskutierten die Herausforderungen der Zukunft. Außerdem hat das Team bei dieser Gelegenheit die neuen Büroräume in der Paul-Schneider-Straße 6 eingeweiht. Zu den Gästen zählten Dr. Tobias J. Knoblich, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, Anja Maruschky, Referatsleiterin für Städtebauförderung, Quartiersentwicklung und Schulbauförderung im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer sowie Markus Eichberger (Leiter des Unternehmensbereichs Stadtentwicklung bei der NHW).

Festlich geschmückter Saal, Gespräche bei „Café und Canapée“

Die neuen Räumlichkeiten sowie der wegen der hohen Teilnehmerzahl eigens angemietete Saal der direkt gegenüber liegenden Herz Jesu Gemeinde waren festlich geschmückt, Fotos und ein Imagefilm vermittelten einen Eindruck von der Tätigkeit der ProjektStadt, eine Fotoausstellung zu verschiedenen Projekten vertiefte das Thema. Fachbereichsleiter Martin Günther begrüßte jeden Gast persönlich per Handschlag, während bei „Café und Canapée“ bereits erste angeregte Gespräche stattfanden.

„ProjektStadt macht viele Thüringer Bauschätze sichtbar“

Thüringens Infrastrukturstaatssekretär Dr. Tobias J. Knoblich hob hervor, dass die ProjektStadt viele Kommunen zuverlässig und erfolgreich durch den Fördermit-teldschungel gelotst hat: „Man kann ohne Übertreibung sagen, dass ohne die ProjektStadt vieles an einmaliger historischer Substanz unwiderruflich verloren gegangen wäre. Erst durch die Arbeit der ProjektStadt konnten viele Thüringer Bauschätze saniert, erhalten und sichtbar gemacht werden. In 35 Jahren hat sie rund 7.000 kommunale Vorhaben begleitet, angeschoben, gemanagt.“

„Verstehen uns als Partner auf Augenhöhe“

Monika Fontaine-Kretschmer betonte in ihrem Grußwort, dass dieses Jubiläum mehr als nur eine Zahl ist. „Es steht für 35 Jahre Zusammenarbeit, Vertrauen und gemeinsames Gestalten.“ Die NHW-Geschäftsführerin hob hervor, dass Stadtentwicklung nie am Reißbrett funktioniert, sondern immer im Dialog mit den Menschen vor Ort. Von Anfang an ging es darum, gemeinsam Strukturen aufzubauen und Perspektiven zu entwickeln – dieser partnerschaftliche Ansatz prägt die ProjektStadt bis heute. „Wir verstehen uns nicht als externe Berater, sondern als Partner auf Augenhöhe und oft auch auf lange Sicht.“ Fontaine-Kretschmers Dank galt den vielen Städten und Gemeinden, den Kolleginnen und Kollegen in den Verwaltungen und allen Partnern, die das gemeinsame Arbeiten möglich gemacht haben. Mit Blick auf die Gegenwart hob sie hervor, dass die Herausforderungen in der Stadtentwicklung groß sind. Die ProjektStadt setzt dabei auf integrierte Ansätze und das Zusammenführen verschiedener Perspektiven, um konkrete Projekte vor Ort umzusetzen. „So stellen wir sicher, dass wir auch in Zukunft trotz eingeschränkter finanzieller Handlungsfähigkeit der Kommunen, komplexer Förderstrukturen und Fachkräftemangels eine konstante und qualitativ hochwertige Zusammenarbeit gewährleisten können.“

Das Ziel: lebenswerte Städte für alle gestalten

Markus Eichberger, Leiter des Unternehmensbereichs Stadtentwicklung bei der NHW, legte in seinem Impulsvortrag den Fokus darauf, dass Stadtentwicklung heute komplexer denn je ist. „Die Herausforderungen reichen vom demografischen Wandel über angespannte Haushaltslagen, Fachkräftemangel und bürokratische Rahmenbedingungen bis hin zu Klimaanpassung, Digitalisierung und der Sicherung sozialer Infrastruktur – und verlangen nach innovativen Lösungen und partnerschaftlicher Zusammenarbeit.“ Im Mittelpunkt stehe das Ziel, lebendige, resiliente und multifunktionale Städte und Gemeinden zu entwickeln, die soziale Integration fördern, Innenentwicklung stärken, Innenstädte beleben und Klimaanpassung konsequent mitdenken. Gute Stadtentwicklung bewege sich stets zwischen Krisenmanagement und Zukunftsgestaltung: „Mit kluger Planung, klaren Prioritäten, zielgerichteten Projekten und einem stringenten Ressourcenmanagement können wir Handlungsspielräume schaffen, Verwaltungen entlasten und Komplexität handhabbar machen. Unser Ziel bleibt: lebenswerte Städte für alle zu gestalten.“

Podiumsdiskussion und spannendes Nachmittagsprogramm

Es folgte eine von den ProjektStadt-Mitarbeitenden Alice Dinger und Tobias Spiegler moderierte Podiumsdiskussion zu ausgewählten Stadtentwicklungsthemen. Über eine digitale Abfrage wurden zunächst die Stimmung der Kommunen und deren Themenschwerpunkte für die Zukunft ausgelotet. Dies diente als Grundlage für die anschließende Diskussion, in der es darum ging, welche Themen ihnen in den nächsten zehn Jahren besonders wichtig sind, welche Probleme bzw. Chancen und Perspektiven sie sehen und wo sie eventuell Unterstützung benötigen.

Nach dem Mittagessen startete das abwechslungsreiche Nachmittagsprogramm – mit einem Rundgang durch die neuen Räume, die Möglichkeit zum Netzwerken sowie zu Gesprächen zu aktuellen Themen wie Leerstands-, Brachflächen- und Innenstadtmanagement, die Zukunft von Fördergebieten und den Bauturbo. Ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen rundeten den Tag ab.

Historie des ProjektStadt-Büros in Weimar

Das ProjektStadt-Büro in Weimar wurde am 15. September 1990 gegründet, im Zuge des „Aktionsprogramms Hessen Thüringen“, das nach der Öffnung der Berliner Mauer ins Leben gerufen wurde. Ziel war die Unterstützung beim Aufbau städtebaulicher und infrastruktureller Strukturen in Thüringen. Die ersten Aufgaben umfassten Flächennutzungspläne und städtebauliche Voruntersuchungen für Klein- und Mittelstädte. Das Büro startete mit einem kleinen Team regionaler Fachkräfte und wuchs bereits ein Jahr später auf 13 Mitarbeitende. Bis 1995 entwickelte sich das Büro auf 36 Mitarbeitende und spezialisierte sich auf fünf Arbeitsschwerpunkte: Stadt- und Landschaftsplanung, Sanierungsträgerschaft und kaufmännische Beratung, Objektplanung, Bauleitung sowie Projektentwicklung und Projektsteuerung. Der regionale Fokus lag auf West-Thüringen und der Städtekette Eisenach-Gotha-Erfurt-Naumburg-Gera. Ein wichtiger Baustein war dabei auch das Bauträgergeschäft: In dieser Zeit wurden mehrere hundert Ein- und Mehrfamilienhäuser realisiert und veräußert, getragen von einer eigenen Abteilung mit zeitweise bis zu 20 Mitarbeitenden.